Die Psychologie hinter richtig guten Stellenanzeigen

Wenn Marketing und HR richtig gut miteinander können (1)

In einen meiner Beiträge berichte ich über die drei lustigsten und raffiniertesten Stellenanzeigen, die wir je gesehen haben. In diesem Artikel will ich näher darauf eingehen, was an diesen Anzeigen so raffiniert ist. Es ist nicht immer einfach, das Interesse kreativer, intelligenter Kandidaten zu wecken (was den besprochenen Stellenanzeigen gelingt). Aber keine Sorge: Die Fähigkeit zur Gestaltung guter Stellenanzeigen lässt sich verbessern. Alles, was Sie brauchen, ist ein gewisses psychologisches Grundverständnis.

Wenn Sie je einen Grundlagenkurs in Ethik besucht haben, dann haben Sie höchstwahrscheinlich schon von der Maslowschen Bedürfnishierarchie gehört. Rufen Sie sich diese wieder ins Gedächtnis und übertragen Sie diese auf Talentgewinnung. Was sehen Sie? Eine Reihe (oder Pyramide) von Grundbedürfnissen der Kandidaten, die Sie in Ihren Stellenanzeigen aufgreifen sollten.

Geld ist nicht alles, trotzdem sollten Sie auf die Brieftasche des Kandidaten zielen

Die Vergütung ist der drittwichtigste Kündigungsgrund. Die Bezahlung ist zwar nicht alles, kann aber ein Grund für Wechselwilligkeit sein. Bei vergleichbarer Bezahlung würden Sie einen Job, den Sie sehr gerne machen, nicht wegen der gleichen Stelle bei einem ähnlichen Unternehmen kündigen. Wenn die andere Position aber besser bezahlt ist, dann wäre ein Wechsel zumindest überlegenswert.

Wenn Sie mit der Gestaltung einer Stellenanzeige beginnen, machen Sie sich zunächst klar, wen Sie ansprechen möchten. Passive Kandidaten? Den Kandidaten eines Unternehmens, das mit Ihnen um Talente konkurriert? Hochschulabgänger? Das sind alles Kandidaten, die in erster Linie auf das Gehalt schauen, wenn sie über die Annahme des Angebots eines neuen Arbeitgebers nachdenken.

Überlegen Sie, wen Sie mit Ihrer Stellenanzeige ansprechen möchten. Liefern Sie die entsprechenden Informationen?

Kandidaten möchten Jobsicherheit und Zusatzleistungen

Viele Jobsuchenden haben noch die Rezession im Kopf und suchen deshalb nach einer sicheren Position. Sie können befristete Verträge zwar nach wie vor anbieten, aber viele Kandidaten werden sich dann gar nicht bewerben, weil Sie ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllen. Matt Buckland hierzu:

„Das ist in dieser Phase als positiv zu werten. Denn eine gute Stellenanzeige soll ja nicht die Massen begeistern, sondern das Interesse der wenigen Fachkräfte wecken, die für Ihre Stelle qualifiziert sind. Relevanz sticht Reichweite.“

Vermitteln Sie also diese Informationen von Anfang an: Ist es ein unbefristetes Vollzeitarbeitsverhältnis? Ein Zeitvertrag? Eine Teilzeitarbeit? Ein Saisonjob? Das sind alles Informationen, mit denen Sie nicht nur den Kandidatenpool vorsortieren können, das sind auch Fakten, die Kandidaten haben möchten. Berücksichtigen Sie beim Verfassen einer Stellenanzeige diese wichtigen Informationen, damit Ihnen nicht ein potenzieller Idealkandidat wegen fehlender Details entgeht.

Was möchten Kandidaten in einer Stellenanzeige wirklich lesen? Sprechen Sie sie mithilfe folgender psychologischer Tipps wirkungsvoll an!

Wer hat gesagt, es gibt kein „Ich“ im Team?

Kandidaten möchten die Gewissheit, dass sie in ihre neue Arbeitsumgebung, zu ihren neuen Kollegen und zum künftigen Chef passen. Mehr als sechs von zehn Mitarbeitern, die für einen schlechten Chef arbeiten, beginnen innerhalb des nächsten Jahres mit der Suche nach einem neuen Job. Passen sie wirklich zur Unternehmenskultur? Wahrscheinlich nicht.

Gehen Sie auf die wichtigsten Merkmale der Unternehmenskultur ein, um die Kandidatentypen zu bestimmen, die sich bewerben sollen. Suchen Sie einen gut organisierten Mitarbeiter? Einen Teamarbeiter? Einen extrovertierten Kollegen? Reichern Sie die Kurzpositionierung Ihres Unternehmens in der Stellenanzeige gezielt mit aussagekräftigen Informationen an, damit die Kandidaten entscheiden können, ob sie aus dem Recruiting-Prozess aussteigen oder ihn fortsetzen sollen.

Individualität ist gefragt

Insbesondere die Kandidaten der Millennial-Generation möchten Teil von etwas sein, das größer als sie selbst ist. Andererseits sehnen sie sich nach der Autonomie, die mit Individualität assoziiert wird. Sie wollen kein kleines Rädchen in einem schlecht funktionierenden Uhrwerk sein. Schreiben Sie in die Stellenanzeige ausreichend Informationen über die Tätigkeiten, die den Kandidaten erwarten.

Menschen möchten wertgeschätzt werden, auch in einer Stellenanzeige. Wie machen Sie das? Erklären Sie, warum die Position wichtig zum Erreichen der Unternehmensziele ist, oder zeigen Sie, wie entscheidend die Stelle für die dynamische Teamarbeit ist.

Unbedingt Karrierechancen anbieten

Nicht zuletzt – wir sind an der Spitze der Bedürfnispyramide angelangt – suchen Kandidaten oft Jobs, die ihnen berufliche Perspektiven bieten. 63 Prozent der Mitarbeiter sind der Überzeugung, dass der Erwerb neuer Kompetenzen oder spezielle Weiterbildungen am wichtigsten für ihre berufliche Fortentwicklung sind. Wenn Sie dies bieten bzw. für die Gebühren von Fachkursen aufkommen, warum sollten Sie das nicht in der Stellenanzeige erwähnen? Es könnte das Zünglein an der Waage für viele passive Kandidaten sein.

Beschreiben Sie in der Anzeige die Chancen für berufliche Weiterentwicklung oder Karriereförderung. Die amerikanische Kaufhauskette Macy’s hat das so genannte Career Path Tool entwickelt. Noch bevor sich Kandidaten bewerben, können sie damit sehen, wie ihre Karriere in diesem Unternehmen verlaufen könnte.

Auch wenn Sie keine Unmengen Platz in der Stellenanzeige (idealerweise eine Seite) haben, um alle Vorzüge der Position detailliert zu beschreiben und gleichzeitig auch noch die Unternehmenskultur, Entfaltungsmöglichkeiten und dergleichen anzusprechen, so dürfen diese Informationen dennoch keinesfalls fehlen. Erfolgreiche Stellenanzeigen gehen auf jede Ebene der Maslowschen Bedürfnishierarchie des Kandidaten ein. Eine schlüssige und überzeugende Stellenanzeige erfordert ein wenig Kreativität, Informationen zur Firmenkultur und wichtige Details, damit sich auch der richtige Kandidat bei Ihnen meldet.

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