Fünf neue Trends bei der Stellensuche

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Das Verhalten der Jobsuchenden verändert sich. Angefangen hat das bereits vor einigen Jahren mit der Einführung neuer Technologien, die Kandidaten bei ihrer Suche auf unterschiedlichste Weise nutzen. Häufig ist für uns Recruiter eher die Technologie selbst die Barriere und nicht die Art und Weise, wie sie verwendet wird. So beschäftigen wir uns häufig zu sehr damit, ob wir auf mobile oder digitale Tools setzen sollten. Stattdessen sollten wir uns darüber informieren, wie die Kandidaten diese Tools zur Suche, Kontaktaufnahme und Bewerbung für die von uns ausgeschriebenen Positionen verwenden.

Das gilt aber nicht nur für den Bewerbungsprozess. Es gibt Unmengen von online verfügbaren Inhalten, Informationen und Daten über unsere Unternehmen und unsere Mitarbeiter. Jobsuchende wissen also ziemlich genau Bescheid, wie es ist, für uns zu arbeiten, und was unsere Mitarbeiter über uns denken. Sie interagieren mit unserem Kundenservice, sie liken uns in Facebook und bilden sich eine Meinung über unsere Unternehmenskultur, noch bevor sie sich über die angebotenen Positionen informieren. Stellenanzeigen müssen mehr sein als lediglich eine Aufzählung von Anforderungen (wer bewirbt sich auch schon gern bei einer Checkliste?). Sie müssen eine Geschichte über die ausgeschriebene Stelle erzählen – wie sie in den Gesamtzusammenhang des Unternehmens einzuordnen ist und welchen Mehrwert sie dafür generiert.

Recruiter müssen sich Gedanken darüber machen, wo sie Jobangebote veröffentlichen und wie potenzielle Kandidaten voraussichtlich mit ihnen interagieren. Dazu müssen sie analysieren, wie sich das Suchverhalten verändert und welche Faktoren dahinter stecken.

Recruiter müssen ihre Jobangebote strategischer platzieren.

Suchmaschine

Am Anfang einer Jobsuche steht immer häufiger eine Suchmaschine, höchstwahrscheinlich Google. Bevor ein Kandidat unsere Karriereseite, eine Jobbörse, eine Stellenanzeige, eine Medienplattform oder LinkedIn aufruft, wird er wahrscheinlich Jobs in einem spezifischen Qualifikationssektor oder an einem bestimmten Ort suchen. Wie findet er uns, welcher Link führt ihn zu unseren Stellenangeboten? Wie veröffentlichen wir unsere Stellenanzeigen? Es geht aber nicht nur um die offenen Stellen: Nachdem der Kandidat ein interessantes Unternehmen gefunden hat, gelangt er über eine Google-Suche à la „Wie ist die Arbeit bei xxx?“ zu Kommentaren und Erfahrungsberichten auf Websites, Blogs und Foren, die ihm bei der Entscheidung helfen, ob er sich bewerben soll.

Glassdoor & kununu

Recherchen über Ihre Qualitäten als Arbeitgeber führen Jobsuchende immer häufiger zu Glassdoor oder kununu. Dort finden sie Erfahrungsberichte ehemaliger Mitarbeiter und Bewertungen des Arbeitsumfelds. Aber auch Hinweise zu Vorstellungsgesprächen (mit Schwierigkeitsgrad), Bewertungen der Unternehmensführung und eine Empfehlungsmöglichkeit für Freunde. Es werden Informationen über Gehälter und Zusatzleistungen, die Interviewfragen, den Bewerbungsprozess und Stellenausschreibungen geteilt. In einem eigenen Bereich können sich die Unternehmen zudem mit Arbeitgebermarke, Leitbild und ihren wichtigsten Vorzügen präsentiert.

Smartphones

Die allermeisten Jobsuchenden besitzen heute ein Smartphone. Da ist es nicht sonderlich überraschend, dass sie dieses bei der Recherche und bei der Bewerbung um ihre nächste Stelle so nutzen, wie sie das als Konsumenten sonst auch tun. Mehr als die Hälfte der Besucher von Jobsites verwendet ein Mobilgerät, um jederzeit und an jedem Ort nach einer Stelle zu suchen. Sie sind nicht mehr auf Kernarbeitszeiten oder ein Büro beschränkt – sie suchen, während sie auf dem Weg zur Arbeit sind, fernsehen oder gerade im Bett liegen. Acht Uhr morgens und zwei Uhr abends sind zwei Spitzenzeiten für die mobile Jobsuche. Wissen Recruiter, wann sie Stellen posten müssen, um einen möglichst guten Rücklauf zu bekommen? Die Kandidaten klicken sich durch die Jobs, die sie interessieren. Diese schnelle, unkomplizierte Suche weckt die Erwartung auf einen schnellen, unkomplizierten Bewerbungsprozess. Sie sind nicht sehr geduldig – eine amerikanische Studie zeigt, dass 10,6 Prozent der Kandidaten, die sich auf einem Mobilgerät zu einem Stellenangebot geklickt haben, einen Katalog mit weniger als 25 Fragen vollständig abarbeiten. Dieser Prozentsatz halbiert sich, wenn es 50 Fragen sind. Langwierige Prozesse halten sie von einer Bewerbung ab.

Mehr als die Hälfte der Besucher von Jobsites nutzt Mobilgeräte.

Social Media

Stellensuchende nutzen soziale Netzwerke. Die Umfrageergebnisse variieren, aber weit über 80 Prozent sind auf Facebook und immer mehr nutzen Twitter. Selbst Schülern und Studenten wird geraten, Onlineprofile als Vorbereitung auf die Arbeitsplatzsuche anzulegen. Kandidaten verwenden soziale Plattformen, um sich auszutauschen, um gefunden zu werden und um Informationen zu potenziellen Arbeitgebern zu recherchieren. Sie holen sich Rat zu Lebensläufen, Bewerbungsgesprächen und Karriereoptionen. Einstellende Unternehmen müssen sich genau überlegen, wie sie ihre Jobangebote und Employer-Branding-Botschaften veröffentlichen. Wenn ein Jobsuchender Ihre Facebook-Seite "liked", bekommt er dann auch Informationen über Ihre offenen Stellen angezeigt? Wenn er sich für Ihre Branche interessiert und über Twitter darüber spricht, hat er eine Möglichkeit, Ihre Stellenangebote zu finden?

Vernetzung

Wir sind besser vernetzt denn je. Manche gehen davon aus, dass die traditionellen sechs „degrees of separation“ (die Annahme, dass jeder jeden um sechs Ecken kennt) heute auf vier oder gar drei zusammengeschrumpft sind. Jobsuchende sind jetzt näher an ihrer nächsten Stelle als je zuvor. Sie könnten mit dem Recruiter vernetzt oder Mitglieder der gleichen Social-Media-Gruppen sein. Unter Umständen haben sie bereits interaktiven Kontakt mit ihrem künftigen Arbeitgeber über soziale Netzwerk-Channels gehabt. Und dann sind da noch Freunde, Freunde von Freunden und Kontakte von Kontakten. Bewerber und Recruiter sind wahrscheinlich mit ihrem nächsten Arbeitgeber bzw. ihrer nächsten Neueinstellung vernetzt – sie wissen es nur noch nicht oder haben noch keine Gelegenheit gehabt, die Verbindung zu nutzen.

Aus welchen Gründen auch immer, das Verhalten von Jobsuchenden hat sich verändert. Sie nutzen einen Mix aus Kanälen und Informationsquellen und suchen nach ihrer nächsten Stelle rund um die Uhr, über jeden Kanal, an jedem Ort. Effiziente Recruiter müssen sich genau überlegen, wie und wann sie sie erreichen – und wie sie ihr Interesse wecken und wachhalten.

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